{"id":1308,"date":"2019-04-06T00:30:24","date_gmt":"2019-04-05T22:30:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=1308"},"modified":"2023-12-08T17:27:15","modified_gmt":"2023-12-08T16:27:15","slug":"sind-krankheiten-im-arbeitszeugnis-zu-erwaehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/04\/06\/sind-krankheiten-im-arbeitszeugnis-zu-erwaehnen\/","title":{"rendered":"Sind Krankheiten im Arbeitszeugnis zu erw\u00e4hnen?"},"content":{"rendered":"<p>Arbeitnehmer A war von Januar 2004 bis Ende 2013 bei Arbeitgeberin B angestellt, zuletzt als stellvertretender Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/02\/15\/die-beendigung-des-arbeitsverhaeltnisses\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses<\/a> verlangte Arbeitnehmer A von Arbeitgeberin B eine Entsch\u00e4digung wegen missbr\u00e4uchlicher K\u00fcndigung und forderte gem\u00e4ss einem Textvorschlag ein Arbeitszeugnis von ihr.<\/p>\n<p>Strittig im Arbeitszeugnis war vor Bundesgericht (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F14-05-2018-4A_574-2017&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 4A_574\/2017 vom 14. Mai 2017<\/a>)\u00a0nur ein Satz. So wurde in diesem festgehalten, dass A seit Januar f\u00fcr die Arbeitgeberin keine T\u00e4tigkeiten mehr ausgef\u00fchrt hatte und in der Folge ab Mitte Juli 2013 freigestellt worden war. A war der Auffassung, dass seine krankheitsbedingte Abwesenheit nur 6.5 Monate und damit deutlich weniger als ein Jahr gedauert habe und deshalb im Arbeitszeugnis nicht zu erw\u00e4hnen sei.<\/p>\n<p>Die erste Gerichtsinstanz stellte fest, dass eine ersatzlose Streichung nicht in Frage k\u00e4me, weil ein Arbeitszeugnis zwar wohlwollend, aber korrekt abzufassen sei. Daher sei die Formulierung betreffend der Abwesenheit des Arbeitnehmenden angebracht. Die zweite kantonale Instanz best\u00e4tigte den Entscheid der Erstinstanz.<\/p>\n<p>Das Bundesgericht\u00a0(<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F14-05-2018-4A_574-2017&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 4A_574\/2017 vom 14. Mai 2017<\/a>)\u00a0 bekr\u00e4ftigte im konkreten Fall, dass die Erw\u00e4hnung der Arbeitsverhinderung von sechs Monaten im Zeugnis zul\u00e4ssig sei. Der Arbeitnehmende sei neun Jahre bei Arbeitgeberin B besch\u00e4ftigt gewesen, wobei er zuletzt als stellvertretender Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer gearbeitet habe. Genau in diese Zeit fiel auch seine Abwesenheit. Eine Nichterw\u00e4hnung h\u00e4tte ein falsches Bild ermittelt: \u00abDie Vorinstanz ging zutreffend von dieser Rechtslage aus. Ihre Wertung, wonach im konkreten Fall eine halbj\u00e4hrige krankheitsbedingte Abwesenheit als erheblich einzustufen ist, wird vom Beschwerdef\u00fchrer nur mit dem unzutreffenden Hinweis auf eine vermeintliche Mindestabwesenheitsdauer von einem Jahr beanstandet.\u00bb Gerade weil Arbeitnehmer A erst im April 2009 stellvertretender Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer geworden sei und die gesamte krankheits- und freistellungsbedingte Absenz in jene Zeit fiel, in der er diese Position innehatte, h\u00e4tte bei einer Nichterw\u00e4hnung einen unzutreffenden Eindruck bez\u00fcglich seiner erworbenen Berufserfahrung erweckt. Die vorinstanzliche Beurteilung sei deshalb nicht zu beanstanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Konsequenz f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n<p>Bereits in einem \u00e4lteren Entscheid hatte das Bundesgericht entschieden, dass in einem Arbeitszeugnis gem\u00e4ss Art. 330a Abs. 1 OR eine Krankheit des Arbeitnehmers namentlich zu erw\u00e4hnen sei, wenn sie seine Eignung zur Erf\u00fcllung der bisherigen Aufgabe in Frage stelle und damit einen sachlichen Grund f\u00fcr die Aufl\u00f6sung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses bilde. Diese Voraussetzung sei gegeben, wenn ein Arbeitnehmer infolge einer <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/12\/28\/lohnzahlung-bei-krankheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krankheit<\/a> seine bisherige T\u00e4tigkeit \u00fcber ein Jahr lang nicht aus\u00fcben k\u00f6nne und bei Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses nicht absehbar w\u00e4re, ob und wann er dazu wieder in der Lage w\u00e4re. Im vorliegenden Entscheid wurde festgehalten, dass eine Gesamtbetrachtung erfolgen muss. W\u00fcrde ohne die Erw\u00e4hnung einer Krankheit ein falsches Bild vermittelt, sei es m\u00f6glich, Absenzen von weniger als einem Jahr im Arbeitszeugnis zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Weitere relevante Beitr\u00e4ge zu Arbeitszeugnissen<\/h4>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/11\/23\/unterzeichnung-des-arbeitszeugnisses\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unterzeichnung von Arbeitszeugnissen<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/04\/06\/sind-krankheiten-im-arbeitszeugnis-zu-erwaehnen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sind Krankheiten im Arbeitszeugnis zu erw\u00e4hnen?<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/10\/31\/erwaehnung-laengerer-absenzen-im-arbeitszeugnis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erw\u00e4hnung l\u00e4ngerer Absenzen im Arbeitszeugnis<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/10\/10\/rueckgabeanspruch-des-arbeitgebers-auf-das-arbeitszeugnis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00fcckgabeanspruch des Arbeitgebers auf das Arbeitszeugnis<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/10\/22\/prozessuales-vorgehen-bei-einer-zeugnisklage-erfuellungsklage\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorgehen bei einer Zeugnisklage \u2013 Erf\u00fcllungsklage<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2021\/01\/18\/verjaehrungfrist-fuer-zeugnisforderungen-10-jahre\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verj\u00e4hrung von Arbeitszeugnissen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/01\/27\/haftung-fuer-ein-falsches-zeugnis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Haftung f\u00fcr ein falsches Arbeitszeugnis<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/08\/24\/die-arbeitsbestaetigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Arbeitsbet\u00e4tigung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/07\/09\/referenzen-im-arbeitsrecht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Referenzen im Arbeitsrecht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2021\/02\/28\/die-erstellung-von-arbeitszeugnissen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Erstellung von Arbeitszeugnissen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Weitere umfassende Informationen zum Arbeitsrecht finden Sie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.exlibris.ch\/de\/buecher-buch\/deutschsprachige-buecher\/boris-etter\/arbeitsvertrag\/id\/9783727235108\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier<\/strong><\/a>.<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Umfassende Informationen zum Gleichstellungsrecht finden Sie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.exlibris.ch\/de\/buecher-buch\/deutschsprachige-buecher\/gleichstellungsgesetz-glg\/id\/9783727222047\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier<\/strong><\/a>.<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitnehmer A war von Januar 2004 bis Ende 2013 bei Arbeitgeberin B angestellt, zuletzt als stellvertretender Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. 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