{"id":1374,"date":"2019-04-19T09:15:48","date_gmt":"2019-04-19T07:15:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=1374"},"modified":"2019-04-19T09:15:48","modified_gmt":"2019-04-19T07:15:48","slug":"anerkennung-von-diplomen-aus-der-eu-efta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/04\/19\/anerkennung-von-diplomen-aus-der-eu-efta\/","title":{"rendered":"Anerkennung von Diplomen aus der EU\/EFTA"},"content":{"rendered":"<p>Anerkennung von Diplomen: Nach Art. 2 des zwischen der Schweiz und der EU\/EFTA geltenden <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/04\/02\/euroloehne\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Freiz\u00fcgigkeitsabkommens (FZA)<\/a> d\u00fcrfen die Staatsangeh\u00f6rigen einer Vertragspartei, die sich rechtm\u00e4ssig im Hoheitsgebiet einer anderen Vertragspartei aufhalten, bei der Anwendung des Freiz\u00fcgigkeitsabkommens gem\u00e4ss den Anh\u00e4ngen I, II und III nicht aufgrund ihrer Staatsangeh\u00f6rigkeit diskriminiert werden.<\/p>\n<p>Das FZA regelt im Wesentlichen<\/p>\n<ul>\n<li>Freie Wahl Arbeitsort<\/li>\n<li>Einfache Wohnsitznahme<\/li>\n<li>Koordinierung Sozialversicherungssysteme\n<ul>\n<li>Keine Vereinheitlichung, aber Koordination<\/li>\n<li>L\u00e4nder entscheiden \u00fcber Versicherungen selbst\u00e4ndig<\/li>\n<li>Keine Verlust Versicherungsanspr\u00fcche bei Arbeit in einem anderen Land<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Anerkennung Diplome<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Anerkennung von Diplomen<\/h3>\n<p><em>Gem\u00e4ss Art. 9 FZA treffen die Vertragsparteien nach Anhang III die erforderlichen Massnahmen zur gegenseitigen Anerkennung von Diplomen, Zeugnisse und sonstigen Bef\u00e4higungsnachweise und zur Koordinierung ihrer Rechts- und Verwaltungsvorschriften \u00fcber den Zugang zu unselbst\u00e4ndigen und selbst\u00e4ndigen Erwerbst\u00e4tigkeiten und deren Aus\u00fcbung sowie die Erbringung von Dienstleistungen. Die Schweiz hat sich in Anhang III FZA verpflichtet, Diplome, Zeugnisse und sonstige Bef\u00e4higungsnachweise gem\u00e4ss den dort genannten Rechtsakten der EU anzuerkennen. Zu diesen Rechtsakten geh\u00f6rt auch die Richtlinie 2005\/36\/EG, die mit dem Beschluss Nr. 2\/2011 des Gemischten Ausschusses f\u00fcr die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen (AS 2011 4859 ff.) f\u00fcr anwendbar erkl\u00e4rt wurde. In Art. 13 der Richtlinie 2005\/36\/EG wurde festgelegt, dass die Aus\u00fcbung eines reglementierten Berufs, der im Aufnahmemitgliedstaat vom Besitz bestimmter Berufsqualifikationen abh\u00e4ngig ist, den Antragstellern unter denselben Voraussetzungen gestattet wird wie Inl\u00e4ndern, sofern sie den Bef\u00e4higungs- oder Ausbildungsnachweis besitzen, der in einem anderen Mitgliedstaat erforderlich ist, um die Erlaubnis zur Aufnahme und Aus\u00fcbung dieses Berufs zu erhalten. Art. 14 der Richtlinie 2005\/36\/EG regelt die Voraussetzungen f\u00fcr die Anordnung allf\u00e4lliger Ausgleichsmassnahmen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Umsetzung durch die Schweiz<\/h3>\n<p>Die Schweiz hat die Anerkennung der EU\/EFTA Diplome in der VO Ausland umgesetzt. Diese verweist im Wesentlichen auf die Europ\u00e4ischen Richtlinien:<\/p>\n<p>Die \u00dcberpr\u00fcfung der Berufsqualifikationen aus EU- und EFTA-Staaten nach Massgabe der Bestimmungen dieser Verordnung und in Anwendung der<em> Richtlinie 2005\/36\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 \u00fcber die Anerkennung von Berufsqualifikationen<\/em> (ABl. 2005 L 255 vom 30. September 2005, S. 22 ff.). F\u00fcr gewisse Berufe werden zudem Mindestgrunds\u00e4tze vorgesehen.<\/p>\n<p>Die ausl\u00e4ndische Berufsqualifikation muss gem\u00e4ss Art. 3 Abs. 2 VO Ausland<\/p>\n<ul>\n<li>vom betreffenden ausl\u00e4ndischen Staat oder von einer zust\u00e4ndigen staatlichen Beh\u00f6rde ausgestellt sein (lit. a),<\/li>\n<li>den Abschluss der Ausbildung best\u00e4tigen (lit. b)<\/li>\n<li>und im Herkunftsland den direkten Zugang zur Aus\u00fcbung der Osteopathie erm\u00f6glichen (lit. c).<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Entscheide 2C_662\/2018 und 2C_663\/2018 vom 25. Februar 2019<\/h3>\n<p>In den <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F25-02-2019-2C_662-2018&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;refresh=1&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Entscheiden 2C_662\/2018 und 2C_663\/2018 vom 25. Februar 2019<\/a> hatte sich das Bundesgericht mit der Anerkennung franz\u00f6sischer Diplome vom Osteopathen auseinanderzusetzen. Diese wurden den entsprechenden Personen an einen Coll\u00e8ge in Frankreich und in M\u00fcnchen ausgestellt.<\/p>\n<p>Die Interkantonale Pr\u00fcfungskommission PR\/GDK wies das Gesuch um Anerkennung ab, da die Diplome nicht vom zust\u00e4ndigen Staat erlassen worden seien. Die Anerkennung der Ausbildungsst\u00e4tte durch das Gesundheitsministerium \u00e4ndere nichts daran, dass das Diplom nicht vom franz\u00f6sischen Staat ausgestellt worden sei. Insbesondere fehle ein entsprechendes Siegel einer Beh\u00f6rde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Richtlinie 2005\/36\/EG<\/h3>\n<p>Zu pr\u00fcfen war vom Bundesgericht insbesondere, ob die Entscheidung der Interkantonale Pr\u00fcfungskommission PR\/GDK in \u00dcbereinstimmung mit dem FZA bzw. der <a href=\"https:\/\/www.sbfi.admin.ch\/sbfi\/de\/home\/bildung\/diploma\/rechtliche-grundlagen-der-diplomanerkennung\/richtlinie-2005-36-eg.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Richtlinie<\/a> erging.<\/p>\n<ul>\n<li><em>Die Richtlinie 2005\/36\/EG setzt mithin f\u00fcr die Anerkennung von Berufsqualifikationen nicht voraus, dass diese durch eine staatliche Beh\u00f6rde ausgestellt wurden. Der Begriff der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde ist insofern weiter gefasst, als auch vom Staat bezeichnete Beh\u00f6rden oder Stellen mit der Befugnis ausgestattet werden k\u00f6nnen, Ausbildungsnachweise auszustellen (Art. 13 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 3 Abs. 1 lit. d Richtlinie 2005\/36\/EG). Soweit die GDK in Art. 3 Abs. 2 VO Ausland eine engere Formulierung verwendet und vorsieht, dass die ausl\u00e4ndische Berufsqualifikation vom betreffenden ausl\u00e4ndischen Staat oder von einer zust\u00e4ndigen\u00a0 staatlichenBeh\u00f6rde ausgestellt sein m\u00fcsse, um anerkannt zu werden, ist dies im Lichte der Richtlinie 2005\/36\/EG auszulegen. Die VO Ausland selbst verweist in Art. 1 Abs. 1 auf die Ber\u00fccksichtigung des internationalen Rechts und sieht in Art. 2 Abs. 1 ausdr\u00fccklich vor, dass die \u00dcberpr\u00fcfung der Berufsqualifikationen in Anwendung der Richtlinie 2005\/36\/EG erfolgen soll. Angesichts dieser deutlichen Aussagen besteht keinerlei Grund zur Annahme, die GDK habe von der Regelung gem\u00e4ss dieser Richtlinie abweichen wollen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Regelung von Art. 3 Abs. 2 lit. a VO Ausland die Umsetzung von Art. 13 Abs. 1 lit. a Richtlinie 2005\/36\/EG bezweckt, ohne diesbez\u00fcglich eine zus\u00e4tzliche, strengere Voraussetzung f\u00fcr die Anerkennung schaffen zu wollen.<\/em><\/li>\n<li><em>Die Bestimmung von Art. 3 Abs. 2 VO Ausland ist nach dem Gesagten im Sinne des h\u00f6herrangigen Rechts so auszulegen, als dass die dort genannten Anerkennungsvoraussetzungen mit denjenigen der Richtlinie 2005\/36\/EG \u00fcbereinstimmen<\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angesichts der anwendbaren Richtlinien und der Auslegung von Art. 3 Abs. 2 VO Ausland kam das Bundesgericht zum Schluss, dass auch Diplome zu anerkennen sind, die wie im Vorliegenden Fall von einer Ausbildungsst\u00e4tte stammen, die vom entsprechenden Staat der EU\/EFTA anerkannt sind. Die materiellen Voraussetzungen wurden nicht gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor: <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anerkennung von Diplomen: Nach Art. 2 des zwischen der Schweiz und der EU\/EFTA geltenden Freiz\u00fcgigkeitsabkommens (FZA) d\u00fcrfen die Staatsangeh\u00f6rigen einer Vertragspartei, die sich rechtm\u00e4ssig im Hoheitsgebiet einer anderen Vertragspartei aufhalten, bei der Anwendung des Freiz\u00fcgigkeitsabkommens gem\u00e4ss den Anh\u00e4ngen I, II und III nicht aufgrund ihrer Staatsangeh\u00f6rigkeit diskriminiert werden. 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