{"id":1590,"date":"2019-08-04T00:46:07","date_gmt":"2019-08-03T22:46:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=1590"},"modified":"2019-08-04T13:09:54","modified_gmt":"2019-08-04T11:09:54","slug":"definition-von-mobbing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/08\/04\/definition-von-mobbing\/","title":{"rendered":"Definition von Mobbing"},"content":{"rendered":"<p>Nur allzu oft wird von Arbeitnehmern der Vorwurf gemacht, sie seien vom Arbeitgeber oder anderen Arbeitnehmern gemobbt worden. Im Entscheid <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/21-05-2019-4A_652-2018&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4A_652\/2018 vom 21. Mai 2019<\/a>, in dem es unter anderem auch um die Beurteilung einer missbr\u00e4uchlichen K\u00fcndigung ging, hielt das Bundesgericht an der bisherigen Rechtssprechung und Defintion des Mobbing fest.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Entscheid <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/21-05-2019-4A_652-2018&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4A_652\/2018 vom 21. Mai 2019<\/a><\/h3>\n<p>Der Arbeitnehmer hatte im gerichtlichen Verfahren eine Verletzung von Art. 328 OR, der F\u00fcrsorgepflicht, durch den Arbeitgeber geltend gemacht.<\/p>\n<p>Das Bundesgericht hielt fest, dass Art. 328 Abs. 1 OR den Arbeitgeber verpflichte, die Pers\u00f6nlichkeit des Arbeitnehmers in Arbeitsverh\u00e4ltnissen zu sch\u00fctzen und zu respektieren; insbesondere muss er seine Gesundheit geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigen, die Moral wahren und sicherstellen, dass der Arbeitnehmer nicht sexuell bel\u00e4stigt wird. Ein Mitarbeiter, der Opfer einer gegen diese Bestimmung versto\u00dfenden Pers\u00f6nlichkeitsverletzung ist, kann unter den in Art. 49 Abs. 1 OR (Art. 97 Abs. 1 und 99 Abs. 3 OR) genannten Voraussetzungen Ersatz f\u00fcr immateriellen Schaden verlangen; ein geringf\u00fcgiger Verstoss rechtfertigt keine solche Verg\u00fctung.<\/p>\n<p>Der Entscheid <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/21-05-2019-4A_652-2018&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4A_652\/2018 vom 21. Mai 2019<\/a> definiert Mobbing (psychologische Bel\u00e4stigung) wie folgt: als eine Reihe von feindlichen Kommentaren und\/oder Handlungen, die in der Regel \u00fcber einen ziemlich langen Zeitraum wiederholt werden und bei denen eine oder mehrere Personen versuchen, eine Person am Arbeitsplatz zu isolieren, zu marginalisieren oder sogar auszuschlie\u00dfen. Das Opfer wird dabei in eine Situation gebracht, in der jede einzelne Handlung f\u00fcr sich alleine noch als ertr\u00e4glich angesehen werden k\u00f6nne, w\u00e4hrend dem die Gesamtheit der Handlungen zu einer eine Destabilisierung der Pers\u00f6nlichkeit f\u00fchren, die bis zur professionellen Eliminierung der betroffenen Person vorangetrieben wird.<\/p>\n<p><em>(La jurisprudence d\u00e9finit le harc\u00e8lement psychologique (mobbing) comme un encha\u00eenement de propos et\/ou d&#8217;agissements hostiles, r\u00e9p\u00e9t\u00e9s fr\u00e9quemment pendant une p\u00e9riode assez longue, par lesquels un ou plusieurs individus cherchent \u00e0 isoler, \u00e0 marginaliser, voire \u00e0 exclure une personne sur son lieu de travail. La victime est souvent plac\u00e9e dans une situation o\u00f9 chaque acte pris individuellement peut \u00eatre consid\u00e9r\u00e9 comme supportable alors que l&#8217;ensemble des agissements constitue une d\u00e9stabilisation de la personnalit\u00e9, pouss\u00e9e jusqu&#8217;\u00e0 l&#8217;\u00e9limination professionnelle de la personne vis\u00e9e. Il n&#8217;y a pas harc\u00e8lement psychologique du seul fait d&#8217;un conflit dans les relations professionnelles ou d&#8217;une mauvaise ambiance de travail, ou encore du fait qu&#8217;un sup\u00e9rieur hi\u00e9rarchique n&#8217;aurait pas toujours satisfait aux devoirs qui lui incombent \u00e0 l&#8217;\u00e9gard de ses collaborateurs (cf. entre autres arr\u00eat <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F19-03-2018-4D_72-2017&amp;lang=fr&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4D_72\/2017 du 19 mars 2018 consid. 8.2.<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Allgemeines zum Mobbing<\/h3>\n<p>Der Begriff des <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2016\/03\/01\/grundlegendes-ueber-mobbing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mobbings<\/a> ist im schweizerischen Arbeitsrecht nicht definiert. Oft werden Arbeitgeber von entt\u00e4uschten Arbeitnehmern mit dem Vorwurf des Mobbings konfrontiert, ohne dass ein solches wirklich vorliegt. Gem\u00e4ss der Rechtsprechung des Bundesgerichts wird Mobbing aber &#8211; wie soeben ausgef\u00fchrt &#8211; als systematisches, feindliches, \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum anhaltendes Verhalten, mit dem eine Person an ihrem Arbeitsplatz isoliert, ausgegrenzt oder gar von ihrem Arbeitsplatz entfernt werden soll, definiert (so auch bereits\u00a0<a href=\"http:\/\/www.polyreg.ch\/bgeunpub\/Jahr_2004\/Entscheide_2A_2004\/2A.312__2004.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 2A.312\/2004<\/a>).<\/p>\n<p>Mobbing ist also durch einen <strong>Zweck<\/strong> gekennzeichnet. Dadurch l\u00e4sst es sich von einem allgemein schlechten Arbeitsklima abgrenzen. Von Mobbing kann deshalb auch nur dann gesprochen werden, wenn eine <strong>eindeutige T\u00e4ter-\/ Opferbeziehung<\/strong> feststellbar ist. Eine wechselseitige Konflikteskala\u00adtion, welche keine klare T\u00e4ter-\/Opfer-Zuschreibung erlaubt, schliesst in der Regel die Annahme eines Mobbingtatbestandes aus.<\/p>\n<p>Mobbing kann insbesondere in f\u00fcnf Formen vorkommen:<\/p>\n<ul>\n<li>Angriff auf die M\u00f6glichkeit, sich mitzuteilen: nicht ausreden lassen, unterbrechen, anschreien, Informationen vorenthalten.<\/li>\n<li>Angriff auf die sozialen Beziehungen: allgemeine Kontaktverweigerung, ignorieren, ausgrenzen, isolieren.<\/li>\n<li>Angriff auf das soziale Ansehen: l\u00e4cherlich machen, Ger\u00fcchte streuen, Sticheleien, Beleidigungen, absch\u00e4tzige Bemerkungen.<\/li>\n<li>Angriffe auf die Qualit\u00e4t der Berufs- und Lebenssituation: schikan\u00f6se und erniedrigende Arbeiten zuweisen, ungerechtfertigte Kritik, Entziehen von wichtigen Aufgaben.<\/li>\n<li>Angriffe auf die Gesundheit: Androhung von k\u00f6rperlicher Gewalt, T\u00e4tlichkeiten, sexuelle Bel\u00e4stigung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Missbr\u00e4uchliche K\u00fcndigung wegen Anspr\u00fcchen aus dem Arbeitsvertrag<\/h3>\n<p>Das Bundesgericht hatte sich auch mit Fragen der missbr\u00e4uchlichen K\u00fcndigung auseinanderzusetzen. Es wurde vom Arbeitnehmer die Missbr\u00e4uchlichkeit der K\u00fcndigung geltend gemacht, da der Arbeitnehmer in gutem Glauben Anspr\u00fcche aus dem Arbeitsvertrag geltend gemacht habe<\/p>\n<p>Das Bundesgericht hielt fest, dass die K\u00fcndigung nach Art. 336 Abs. 1 lit. d OR missbr\u00e4uchlich sei, wenn sie ausgesprochen werde, weil die andere Partei in gutem Glauben Anspr\u00fcche aus dem Arbeitsvertrag geltend macht. Damit diese Bestimmung anwendbar sei, m\u00fcsse der Arbeitnehmer den Willen zur Geltendmachung der Anspr\u00fcche gehabt haben und in gutem Glauben gehandelt haben, auch wenn ihr Anspruch tats\u00e4chlich nicht bestand. Die Anspr\u00fcche aus dem Arbeitsvertrag betreffen insbesondere L\u00f6hne, Boni oder Urlaub. Die Anspr\u00fcche des Arbeitnehmers m\u00fcssen jedoch noch eine kausale Rolle bei der Entscheidung des Arbeitgebers gespielt haben, ihn zu entlassen. Die Tatsache, dass der Arbeitnehmer einen Anspruch aus seinem Arbeitsvertrag in gutem Glauben geltend macht, hat somit nicht unbedingt zur Folge, dass die Arbeitgeberk\u00fcndigung automatsich missbr\u00e4uchlich wird &#8211; die Geltendmachung von Anspr\u00fcchen muss f\u00fcr die K\u00fcndigung kausal sein.<\/p>\n<p><em>(L&#8216;<span class=\"artref\">art. 336 al. 1 et 2 CO<\/span>\u00a0\u00e9num\u00e8re une liste &#8211; non exhaustive &#8211; des cas dans lesquels la r\u00e9siliation est abusive. Ainsi, \u00e0 teneur de l&#8216;<span class=\"artref\">art. 336 al. 1 let<\/span>. d CO, le cong\u00e9 est abusif lorsqu&#8217;il est donn\u00e9 parce que l&#8217;autre partie fait valoir de bonne foi des pr\u00e9tentions r\u00e9sultant du contrat de travail. Pour que cette disposition soit applicable, il faut que l&#8217;autre partie ait eu la volont\u00e9 d&#8217;exercer un droit et qu&#8217;elle ait \u00e9t\u00e9 de bonne foi, m\u00eame si sa pr\u00e9tention, en r\u00e9alit\u00e9, n&#8217;existait pas (<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-III-513%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page513\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ATF 136 III 513<\/a>\u00a0consid. 2.4).\u00a0<\/em><em>Les pr\u00e9tentions r\u00e9sultant du contrat de travail portent notamment sur des salaires, des primes ou des vacances (arr\u00eats <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F13-01-2017-4A_401-2016&amp;lang=fr&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4A_401\/2016<\/a> du 13 janvier 2017 consid. 5.1.1; <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F27-10-2005-4C-237-2005&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4C.237\/2005<\/a> du 27 octobre 2005 consid. 2.3). Cela \u00e9tant, les pr\u00e9tentions \u00e9mises par l&#8217;employ\u00e9 doivent encore avoir jou\u00e9 un r\u00f4le causal dans la d\u00e9cision de l&#8217;employeur de le licencier (<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-III-513%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page513\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ATF 136 III 513<\/a>\u00a0consid. 2.6 p. 517).)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Weitere relevante Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/h4>\n<ul>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/09\/05\/mobbing-im-arbeitsalltag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mobbing im Arbeitsalltag<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2016\/03\/01\/grundlegendes-ueber-mobbing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grundlegendes \u00fcber Mobbing<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/05\/28\/kuendigung-nach-verletzung-der-fuersorgepflicht-missbraeuchlich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00fcndigung nach Verletzung der F\u00fcrsorgepflicht \u2013 Missbr\u00e4uchlich!<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/05\/23\/missbraeuchliche-art-und-weise-der-kuendigung-entschaedigung-geschuldet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Missbr\u00e4uchliche Art und Weise der K\u00fcndigung \u2013 Entsch\u00e4digung geschuldet!<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/05\/12\/der-arbeitgeber-war-schuld\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der Arbeitgeber war schuld?!<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/12\/04\/missbraeuchliche-entlassung-einer-arbeitnehmervertreterin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Missbr\u00e4uchliche Entlassung einer Arbeitnehmervertreterin<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor: <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur allzu oft wird von Arbeitnehmern der Vorwurf gemacht, sie seien vom Arbeitgeber oder anderen Arbeitnehmern gemobbt worden. 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