{"id":1673,"date":"2019-08-29T00:46:15","date_gmt":"2019-08-28T22:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=1673"},"modified":"2019-09-02T21:32:11","modified_gmt":"2019-09-02T19:32:11","slug":"schweigepflicht-des-vertrauensarztes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/08\/29\/schweigepflicht-des-vertrauensarztes\/","title":{"rendered":"Schweigepflicht des Vertrauensarztes"},"content":{"rendered":"<p>Geistliche, Rechtsanw\u00e4lte, Verteidiger, Notare, Patentanw\u00e4lte, nach Obligationenrecht zur Verschwiegenheit verpflichtete Revisoren, \u00c4rzte, Zahn\u00e4rzte, Chiropraktoren, Apotheker, Hebammen, Psychologen sowie ihre Hilfspersonen, die ein Geheimnis offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufes anvertraut worden ist oder das sie in dessen Aus\u00fcbung wahrgenommen haben, werden, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19370083\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art. 321 StGB<\/a>\u00a0.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Schweigepflicht des Vertrauensarztes<\/h3>\n<p>In <a href=\"http:\/\/relevancy.bger.ch\/php\/clir\/http\/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-209%3Ait&amp;lang=it&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGE 143 IV 209<\/a> hatte sich das Bundesgericht mit der Frage zu befassen, ob auch ein Vertrauensarzt grunds\u00e4tzlich der Schweigepflicht unterliegt und ob er sich bei Verletzung der Schweigepflicht nach Art. 321 StGB strafbar macht. Der betreffende Vertrauensarzt hatte nach einer vertrauens\u00e4rztlichen Untersuchung dem Arbeitgeber die Diagnose mitgeteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Sachverhalt<\/h4>\n<p>Der Arbeitnehmer erm\u00e4chtigte den Vertrauensarzt schriftlich, &#8222;zuhanden von Kostentr\u00e4ger (Krankenkasse, Unfallversicherung, IV, Taggeldversicherung, Beh\u00f6rden etc.) sowie Drittpersonen (Arbeitgeber etc.) \u00e4rztliche Zeugnisse zu verfassen&#8220;. Die Entbindung erfolgte im Rahmen einer vertrauens\u00e4rztlichen Untersuchung, die von der Arbeitgeberin verlangt worden war. Der Arbeitnehmer erm\u00e4chtigte den Arzt aber nicht ausdr\u00fccklich zur Mitteilung einer Diagnose.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Umfang von Art. 328b OR<\/h4>\n<p>Das Bundesgericht stellte klar dass eine solche Entbindung, diese Erkl\u00e4rung keine \u00fcber den Rahmen von Art. 328b OR hinausgehende Information der Arbeitgeberin erlaubt. Aus Art. 328 OR folgt, dass der Arbeitgeber vom Vertrauensarzt nur diejenigen Angaben erheben darf, welche die Eignung des Arbeitnehmers f\u00fcr das Arbeitsverh\u00e4ltnis betreffen oder zur Durchf\u00fchrung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses erforderlich sind. Dazu geh\u00f6ren Tatsache, Dauer und Grad der Arbeitsunf\u00e4higkeit sowie die Antwort auf die Frage, ob es sich um eine Krankheit oder einen Unfall handelt.<\/p>\n<p>Die Diagnose d\u00fcrfe indes nicht erhoben werden. Der Vertrauensarzt d\u00fcrfe dem Arbeitgeber nur so weit Auskunft erteilen, als er vom Arztgeheimnis befreit ist, was in der Regel durch den Wunsch des Arbeitnehmers, dem Arbeitgeber ein Arztzeugnis zuzustellen, konkludent in dem durch\u00a0Art. 328b OR\u00a0abgesteckten Rahmen erfolge. Durch die vorliegende Erkl\u00e4rung des Arbeitnehmers habe dieser den Vertrauensarzt nicht umfassend vom Berufsgeheimnis befreit. Somit h\u00e4tte die Diagnose nicht weitergegeben werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Entscheid<\/h4>\n<p>Der Arbeitnehmer habe den Vertrauensarzt nur erm\u00e4chtigt, der Arbeitgeberin einen \u00fcblichen arbeitsrechtlichen Bericht zuzustellen, welcher ausschliesslich Angaben dar\u00fcber enthalte, ob und in welchem Umfang eine Arbeitsunf\u00e4higkeit bestehe, wie lange diese dauern werde und inwiefern die allf\u00e4llige gesundheitliche Einschr\u00e4nkung einen konkreten Einfluss auf die Arbeitsf\u00e4higkeit habe. Der Beschwerdef\u00fchrer habe den Tatbestand von\u00a0Art. 321 StGB\u00a0objektiv erf\u00fcllt, indem er der Arbeitgeberin weitergehende Informationen zukommen gelassen habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Berufe der Schweigepflicht nach StGB<\/h3>\n<p>Die Schweigepflicht nach Strafgesetzbuch (Artikel 321 StGB) gilt nur f\u00fcr die im Strafgesetzbuch aufgez\u00e4hlten Berufe. Es handelt sich um eine abschliessende Aufz\u00e4hlung. Es sind dies:<br \/>\n\u2022 Geistliche<br \/>\n\u2022 Rechtsanw\u00e4lte<br \/>\n\u2022 Verteidiger<br \/>\n\u2022 Notare<br \/>\n\u2022 Patentanw\u00e4lte<br \/>\n\u2022 nach Obligationenrecht zur Verschwiegenheit verpflichtete Revisoren<br \/>\n\u2022 \u00c4rzte<br \/>\n\u2022 Zahn\u00e4rzte<br \/>\n\u2022 Chiropraktoren<br \/>\n\u2022 Apotheker<br \/>\n\u2022 Hebammen<br \/>\n\u2022 Psychologen<\/p>\n<p>sowie ihre Hilfspersonen. Als solche kommen z.B. Krankenpfleger, medizinische Praxisassistenten und Ergo- und Physiotherapeuten in Frage. IT-Dienstleister (Unternehmen) stellen grunds\u00e4tzlich keine Hilfspersonen gem\u00e4ss Artikel 321 StGB dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor: <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geistliche, Rechtsanw\u00e4lte, Verteidiger, Notare, Patentanw\u00e4lte, nach Obligationenrecht zur Verschwiegenheit verpflichtete Revisoren, \u00c4rzte, Zahn\u00e4rzte, Chiropraktoren, Apotheker, Hebammen, Psychologen sowie ihre Hilfspersonen, die ein Geheimnis offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufes anvertraut worden ist oder das sie in dessen Aus\u00fcbung wahrgenommen haben, werden, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft,\u00a0Art. 321 StGB\u00a0. &nbsp; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1226,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1673","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1673"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1686,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1673\/revisions\/1686"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}