{"id":2026,"date":"2020-02-14T00:58:22","date_gmt":"2020-02-13T23:58:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=2026"},"modified":"2020-02-11T20:04:10","modified_gmt":"2020-02-11T19:04:10","slug":"normalarbeitsvertraege-nav","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/02\/14\/normalarbeitsvertraege-nav\/","title":{"rendered":"Normalarbeitsvertr\u00e4ge (NAV)"},"content":{"rendered":"<p class=\"2AutorentextTheorie\">Der Name des Normalarbeitsvertrages mag missverst\u00e4ndlich klingen. Entgegen des ersten Eindrucks bedeutet der Normalarbeitsvertrag (NAV) keine vertragliche Verpflichtung zwischen zwei Parteien, sondern er wird durch Bund oder Kantone in der Form einer Verordnung erlassen (Art. 359 ff. OR).<\/p>\n<p class=\"2AutorentextTheorie\">Das Schweizerische Arbeitsvertragsrecht kennt zwei Arten von Normalarbeitsvertr\u00e4gen (NAV):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"2AutorentextTheorie\">NAV mit Bestimmungen \u00fcber das Arbeitsverh\u00e4ltnis (Abschluss, Arbeitsbedingungen, <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/02\/15\/die-beendigung-des-arbeitsverhaeltnisses\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beendigung<\/a>)<\/h3>\n<p class=\"2AutorentextTheorie\">Normalarbeitsvertr\u00e4ge stellen Schutzbestimmungen f\u00fcr die Arbeitnehmer in verschiedenen Branchen auf, sofern f\u00fcr den Erlass ein hinreichendes Bed\u00fcrfnis besteht (Art. 359 Abs. 1 OR). Ob ein Normalarbeitsvertrag erlassen wird, steht im Ermessen der entsprechenden Beh\u00f6rden. Oft werden Normalarbeitsvertr\u00e4ge als notwendig erachtet f\u00fcr Branchen, wo es keine oder keine ausreichende gewerkschaftliche Organisation f\u00fcr den Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrages (GAV) gibt. F\u00fcr das Arbeitsverh\u00e4ltnis der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer und der Arbeitnehmer im Hausdienst sind die Kantone verpflichtet, Normalarbeitsvertr\u00e4ge zu erlassen (Art. 359 Abs. 2 OR). Die Bestimmungen eines Normalarbeitsvertrages gelten unmittelbar f\u00fcr die ihm unterstellten Arbeitsverh\u00e4ltnisse, sofern nichts anderes vereinbart wird.<\/p>\n<p class=\"2AutorentextTheorie\">Normalarbeitsvertr\u00e4ge stellen Regeln \u00fcber den Abschluss, Inhalt und Beendigung bestimmter Arbeitsverh\u00e4ltnisse auf. Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen die Parteien eines Einzelarbeitsvertrages von den Bestimmungen eines Normalarbeitsvertrages abweichen (Art. 360 Abs. 1 OR), doch kann der Normalarbeitsvertrag vorsehen, dass seine Bestimmungen nur durch <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/06\/08\/kann-ein-arbeitsvertrag-muendlich-abgeschlossen-werden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schriftliche Vereinbarung<\/a> abge\u00e4ndert werden k\u00f6nnen. Auf der anderen Seite k\u00f6nnen Bestimmungen eines Normalarbeitsvertrages zwingende Gesetzesvorschriften verdr\u00e4ngen, sofern sie g\u00fcnstiger sind f\u00fcr die Arbeitnehmer (Art. 359 Abs. 3 sowie Art. 358 OR) und sich aus den zwingenden Gesetzesvorschriften nichts anderes ergibt (vgl. Art. 361 Abs. 1 OR).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"2AutorentextTheorie\">NAV mit zwingenden <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/08\/20\/die-lohnhoehe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mindestl\u00f6hnen<\/a><\/h3>\n<p class=\"2AutorentextTheorie\">Im Zusammenhang mit den flankierenden Massnahmen zur Einf\u00fchrung des freien Personenverkehrs zwischen der Schweiz und der EU sind neue Bestimmungen \u00fcber die Mindesth\u00f6he erlassen worden (Art. 360a \u2013 360f OR). Diese erm\u00f6glichen den Erlass von befristeten Normalarbeitsvertr\u00e4gen, die einseitig zwingende Lohnvorschriften enthalten (Art. 360d Abs. 2 OR). In Branchen, in denen es keinen Gesamtarbeitsvertrag gibt, k\u00f6nnen bei wiederholter miss-r\u00e4uchlicher Lohnunterbietung der orts-, berufs- oder branchen\u00fcblichen L\u00f6hne NAV mit zwingenden Mindestl\u00f6hnen erlassen werden. Diese Mindestl\u00f6hne gelten f\u00fcr die ganze Branche und k\u00f6nnen nur zugunsten des Arbeitnehmers abge\u00e4ndert werden. Siehe hierzu auch den Beitrag bez\u00fcglich <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/08\/20\/die-lohnhoehe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Lohnh\u00f6he<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"2AutorentextTheorie\">NAV Hauswirtschaft<\/h3>\n<p class=\"2AutorentextTheorie\">Im Rahmen der Hauswirtschaft existieren verschiedene NAV. Der Bund (Bundesrecht) hat einen NAV erlassen, daneben existieren die kantonalen NAV. Kantonale NAV in der Hauswirtschaft bleiben anwendbar, trotz des NAV des Bundes.\u00a0Der NAV Hauswirtschaft\u00a0 des Bundes gilt in der ganzen Schweiz mit Ausnahme des Kantons Genf, welcher bereits einen Mindestlohn f\u00fcr Haus-angestellt eingef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p class=\"2AutorentextTheorie\">Der NAV des Bundesrates regelt nur die Mindestl\u00f6hne. F\u00fcr die \u00fcbrigen Arbeitsbedingungen wie Arbeits- und Ruhezeiten, Ferienanspruch, Feiertagsanspruch, Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers im Krankheitsfall, \u00dcberstundenentsch\u00e4digung, Probezeit, K\u00fcndigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses usw. sind wie bisher die kantonalen NAV f\u00fcr Arbeitnehmende in der Hauswirtschaft oder das schweizerische Arbeitsvertragsrecht anwendbar. Damit kommen die entsprechenden kantonalen NAV neben dem NAV des Bunds erg\u00e4nzend zur Anwendung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor: <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani<\/a><\/p>\n<p class=\"2AutorentextTheorie\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name des Normalarbeitsvertrages mag missverst\u00e4ndlich klingen. Entgegen des ersten Eindrucks bedeutet der Normalarbeitsvertrag (NAV) keine vertragliche Verpflichtung zwischen zwei Parteien, sondern er wird durch Bund oder Kantone in der Form einer Verordnung erlassen (Art. 359 ff. OR). 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