{"id":3446,"date":"2022-01-31T21:03:01","date_gmt":"2022-01-31T20:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=3446"},"modified":"2022-01-31T21:03:01","modified_gmt":"2022-01-31T20:03:01","slug":"mindestlohn-kanton-tessin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2022\/01\/31\/mindestlohn-kanton-tessin\/","title":{"rendered":"Mindestlohn Kanton Tessin"},"content":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung von Mindestl\u00f6hnen hatte der Kanton Tessin im Jahr 2015 seine Kantonsverfassung wie folgt ge\u00e4ndert:<\/p>\n<p><em>Art. 13 Abs. 3: Jede Person hat Anspruch auf einen Mindestlohn, der ihr ein w\u00fcrdiges Dasein sichert. Ist ein Mindestlohn nicht durch einen Gesamtarbeitsvertrag garantiert, der allgemeinverbindlich ist oder der einen obligatorischen Mindestlohn vorsieht, so wird ein solcher vom Staatsrat festgelegt in Form eines prozentualen Anteils des nationalen Medianlohnes f\u00fcr die entsprechende Art der Aufgabe im entsprechenden Wirtschaftszweig.<\/em><\/p>\n<p><em>Art. 14 Abs. 1 Bst. a: [Der Kanton setzt sich daf\u00fcr ein, dass] jeder seinen Lebensunterhalt durch Arbeit zu angemessenen Bedingungen bestreiten kann, gegen die Folgen von unverschuldeter Arbeitslosigkeit gesch\u00fctzt ist und in den Genuss von bezahlten Ferien gelangt. <\/em><\/p>\n<p>Gest\u00fctzt hierauf wurde das Tessiner Mindestlohngesetz (LSM; Legge sul salario minimo) erlassen, welches per 1. Januar 2021 in Kraft trat. Das Gesetz ist kurz gehalten und behandelt vorwiegend den Zweck (Art. 1 LSM), den Anwendungsbereich und die Ausnahmen (Art. 2 und 3 LSM), die Kriterien und Schwellenwerte f\u00fcr die Festsetzung der L\u00f6hne (Art. 4 LSM) und die Fristen f\u00fcr die Umsetzung (Art. 11 LSM) betreffen.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Gesetzeseinf\u00fchrung hatten verschiedene Unternehmen Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gef\u00fchrt mit dem Begehren zur teilweisen Aufhebung bzw. \u00c4nderung gewisser Bestimmungen. Es wurden diverse Verletzungen von Grundrechten ger\u00fcgt, namentlich ein Verstoss gegen die Wirtschaftsfreiheit, die Rechtgleichheit, die Menschenw\u00fcrde und die Gewerkschaftsfreiheit (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/11-11-2021-2C_302-2020&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 2C_302\/2020<\/a> vom 11.11.2021).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Abstrakte Normenkontrolle<\/h3>\n<p>Im Rahmen der Beschwerden sollte das Bundesgericht beim Entscheid <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/11-11-2021-2C_302-2020&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 2C_302\/2020<\/a> vom 11.11.2021 die Normen im LSM abstrakt und nicht fallspezifisch bzw. konkret pr\u00fcfen. Im Rahmen der <strong>abstrakten Pr\u00fcfung <\/strong>\u00fcbt das Bundesgericht aber eine gewisse <strong>Selbstbeschr\u00e4nkung<\/strong> aus, indem es eine kantonale Bestimmung nur dann aufhebt, wenn sie sich nicht f\u00fcr eine verfassungskonforme oder h\u00f6herrangige bundesrechtliche Auslegung eignet (BGE 140 I 2 E. 4; 137 I 31 E. 2 und 135 II 243 E. 2). Konkret: <em>\u00abnell&#8217;ambito di un controllo astratto &#8211; come quello che ci occupa &#8211; il Tribunale federale \u00e8 chiamato a intervenire solo quando la normativa impugnata non si presta a nessuna interpretazione conforme al diritto superiore e, in questo contesto, a mantenere un certo riserbo, non quindi a vagliare ogni possibile ipotesi di inconciliabilit\u00e0 con esso\u00bb<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/11-11-2021-2C_302-2020&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 2C_302\/2020, E.3.2<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Verstoss gegen das Bundesrecht?<\/h3>\n<p>Es stellte sich die Frage, ob das Tessin im Rahmen des LSM Bundesrecht verletzte. Die Zust\u00e4ndigkeit der Kantone f\u00fcr die Festsetzung von Mindestl\u00f6hnen ist in klar definierten Grenzen anerkannt: Die Kantone d\u00fcrfen keine Rechtsvorschriften in Bereichen erlassen, die im Bundesrecht umfassend geregelt sind, es sei denn, sie verfolgen ein anderes Ziel als die Bundesgesetzgebung.<\/p>\n<p>Die Festlegung von Mindestl\u00f6hnen ist gem\u00e4ss Bundesgericht zul\u00e4ssig, um die Armut zu bek\u00e4mpfen. Dies wurde im Kanton Tessin vorliegend gemacht und vom Bundesgericht nicht beanstandet. Die Bedingungen f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines kantonalen Mindestlohns und die Kriterien f\u00fcr die Berechnung dessen \u00e4hneln den Bestimmungen im Kanton Neuenburg, wo auch Mindestl\u00f6hne vorgesehen werden (Art. 34a KV NE).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Des Weiteren wurden verschieden Verst\u00f6sse gegen die Verfassung gepr\u00fcft:<\/h4>\n<h5><u>Verstoss gegen die Wirtschaftsfreiheit: <\/u><\/h5>\n<p>Gem\u00e4ss Art. 94 Abs. 1 BV sind Bund und Kantone an den Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit gebunden; Ziel dieser Bestimmung ist es, die Gew\u00e4hrleistung der Wirtschaftsfreiheit in ihrer institutionellen und systemischen Dimension zu sch\u00fctzen (BGE 143 II 425 E. 4.2 und 143 I 403 E. 4.3). In diesem Zusammenhang anerkennt der Staat, dass die Wirtschaft in erster Linie eine Angelegenheit der Zivilgesellschaft ist und dass er selbst verpflichtet ist, die wesentlichen Elemente des Wettbewerbsmechanismus zu respektieren (BGE 143 I 403 E. 5; 140 I 218 E. 6.2 und 138 I 378 E. 6.3). Gem\u00e4ss Art. 94 Abs. 4 BV sind Ausnahmen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, einschliesslich wettbewerbsbeschr\u00e4nkender Massnahmen, nur zul\u00e4ssig, wenn sie in der Verfassung vorgesehen sind oder auf kantonalen Subventionen beruhen (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/11-11-2021-2C_302-2020&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 2C_302\/2020, <\/a>E. 7.2). (Zitat: <em>Secondo l&#8216;<span class=\"artref\">art. 94 cpv. 1 Cost.<\/span>, la Confederazione e i Cantoni si attengono al principio della libert\u00e0 economica; la norma citata mira alla protezione della garanzia della libert\u00e0 economica nella sua\u00a0dimensione istituzionale e sistemica\u00a0(<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-425%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page425\">DTF 143 II 425<\/a> consid. 4.2 e 143 I 403 consid. 5; sentenza 2C_705\/2019 del 12 febbraio 2021 consid. 5.2).\u00a0In questo contesto, lo Stato riconosce che l&#8217;economia \u00e8 principalmente una questione di competenza della societ\u00e0 civile e che esso stesso \u00e8 tenuto a rispettare gli elementi essenziali del meccanismo della concorrenza (<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-I-403%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page403\">DTF 143 I 403<\/a>\u00a0consid. 5;\u00a0<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-I-218%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page218\">140 I 218<\/a>\u00a0consid. 6.2 e 138 I 378 consid. 6.3). In via generale, gli \u00e8 quindi vietato prendere misure suscettibili di ostacolare la libera concorrenza con lo scopo di favorire determinati settori economici o certe forme di attivit\u00e0 economica, rispettivamente di dirigere la vita economica secondo un piano determinato (<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-I-403%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page403\">DTF 143 I 403<\/a>\u00a0consid. 5). Giusta l&#8216;<span class=\"artref\">art. 94 cpv. 4 Cost.<\/span>, sono ammissibili deroghe al principio della libert\u00e0 economica, in particolare anche i provvedimenti diretti contro la concorrenza, soltanto se previste dalla Costituzione o fondate su regalie cantonali.<\/em>)<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Massnahmen wirtschaftlicher Natur, die geeignet sind, den freien Wettbewerb zu behindern oder gar zu beeintr\u00e4chtigen, fallen staatliche Massnahmen, die aus Gr\u00fcnden der <strong>\u00f6ffentlichen Ordnung oder der Sozialpolitik<\/strong> motiviert sind, oder Massnahmen, die nicht prim\u00e4r durch wirtschaftliche Interessen motiviert sind, <strong>nicht in den Anwendungsbereich von Art. 94 BV<\/strong> (BGE 143 I 403, E. 5.2).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><u>Verstoss gegen Artikel 8 BV: <\/u><\/h5>\n<p>Das Bundesgericht hielt fest, dass der Betrag, der in einem bestimmten Kanton ein &#8222;menschenw\u00fcrdiges&#8220; Leben erm\u00f6glicht, im Prinzip f\u00fcr <strong>jede Person gleich<\/strong> hoch ist. (BGE 143 I 403, E. 5.6.6). Entsprechend sei eine Differenzierung nach der T\u00e4tigkeitsbeschreibung, per se obsolet. Weiter habe das Tessin die Mindestl\u00f6hne nach Sektoren festgelegt und nur sehr begrenzte Schwankungen erlaubt (nie mehr als 0,50 CHF, Art. 4 Abs. 1 und Art. 11 LSM). Dabei sei der Handlungsspielraum der Kantone rechtm\u00e4ssig genutzt worden (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/11-11-2021-2C_302-2020&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 2C_302\/2020, <\/a>E. 10.3.2). Entsprechend ist auch keine Ungleichbehandlung im Sinne von Art. 8 BV zu sehen. (Zitat: <em>Sul fronte opposto (ovvero in relazione alla critica secondo cui non doveva esserci nessuna differenziazione per settori economici), occorre invece rilevare rispettivamente ripetere: (a) che, conscio del fatto che il montante che permette di vivere in maniera &#8222;dignitosa&#8220; in un determinato Cantone \u00e8 di principio lo stesso per ogni persona, ma che una differenziazione era espressamente prevista dall&#8216;<span class=\"artref\">art. 13 cpv. 3 Cost.\/TI<\/span>, il legislativo ticinese ha s\u00ec stabilito i salari minimi per settore, ma ha di fatto deciso che i salari minimi cos\u00ec stabiliti dovranno avere delle variazioni molto limitate (mai superiori a fr. 0.50, art. 4 cpv. 1 e art. 11 LSM); (b) che cos\u00ec facendo esso ha utilizzato l&#8217;esiguo spazio di manovra di cui dispongono i Cantoni &#8211; al fine di tenere conto, nel rispetto del principio della proporzionalit\u00e0, delle peculiarit\u00e0 dei differenti settori economici &#8211; in maniera che pu\u00f2 essere giudicata ancora sostenibile (precedenti consid. 8.6 e 9.3.3 con riferimento alla\u00a0<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-I-403%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page403\">DTF 143 I 403<\/a> consid. 5.6.6); (c) che eventuali ed ingiustificate disparit\u00e0 di trattamento che dovessero sorgere dall&#8217;applicazione di questo sistema andranno semmai fatte valere in relazione a casi concreti. Anche la seconda critica che \u00e8 stata sollevata in relazione all&#8216;<span class=\"artref\">art. 8 Cost.<\/span> (precedente consid. 10.2, lett. b) non \u00e8 di conseguenza condivisibile e dev&#8217;essere respinta.<\/em>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><u>Verstoss gegen das BGBM:<\/u><\/h5>\n<p>Die Beschwerdef\u00fchrer waren der Ansicht, dass die Verpflichtungen, die sich aus dem Tessiner Gesetz \u00fcber den Mindestlohn ergeben, den Zugang zum kantonalen Markt f\u00fcr in anderen Kantonen niedergelassene Wirtschaftsteilnehmer in unzul\u00e4ssiger Weise beschr\u00e4nken. Dies wurde vom Bundesgericht verworfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><u>Verstoss gegen Art. 12 BV:<\/u><\/h5>\n<p>Nach Ansicht der Beschwerdef\u00fchrer verstiess das Tessiner Gesetz \u00fcber den Mindestlohn auch gegen die in verankerte Garantie des Rechts auf Hilfe und gegen Art. 7 BV, wonach die W\u00fcrde der Person zu achten und zu sch\u00fctzen sei. Dies wurde vom Bundesgericht verworfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><u>Verstoss gegen die Gewerkschaftsfreiheit:<\/u><\/h5>\n<p>Die Beschwerdef\u00fchrer waren zudem der Ansicht, dass durch die Festlegung \u00abderart hoher obligatorischer Lohnschwellen die Arbeitgeber daran gehindert werden, ihre Interessen wirksam zu verteidigen, da die Gewerkschaft nicht mehr in der Lage sein wird, jeden durch das neue Gesetz festgelegten niedrigeren Lohn zu unterst\u00fctzen\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/11-11-2021-2C_302-2020&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BGer 2C_302\/2020,<\/a>E. 13).<\/p>\n<p>Artikel 28 BV, sieht vor, dass Arbeitnehmer, Arbeitgeber und ihre Organisationen das Recht haben, sich zum Schutz ihrer Interessen zusammenzuschliessen und Vereinigungen zu bilden, sowie das Recht, ihnen beizutreten oder nicht (Abs. 1).<\/p>\n<p>Nach der Rechtsprechung muss zwischen individueller und kollektiver Gewerkschaftsfreiheit unterschieden werden. Die individuelle Gewerkschaftsfreiheit gew\u00e4hrt dem Einzelnen das Recht, zur Gr\u00fcndung einer Gewerkschaft beizutragen, einer bestehenden Gewerkschaft beizutreten oder sich an ihren Aktivit\u00e4ten zu beteiligen (positive Gewerkschaftsfreiheit), sowie das Recht, einer Gewerkschaft nicht oder nicht mehr beizutreten (negative Gewerkschaftsfreiheit), ohne dass ihm der Staat Hindernisse in den Weg legt. Die kollektive Gewerkschaftsfreiheit erlaubt es den Gewerkschaften, als solche zu bestehen und zu handeln und die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten; sie beinhaltet insbesondere das Recht, an Tarifverhandlungen teilzunehmen und Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge abzuschliessen (BGE 143 I 403 E. 6.1 und 140 I 257 E.5)<\/p>\n<p>Auch diese Ansicht wurde vom Bundesgericht verworfen.<\/p>\n<p><em>(Zitat:\u00a0<\/em><em><b>13.<\/b> Quale ulteriore critica, le ricorrenti 7-11 sollevano invece una lesione della libert\u00e0 sindacale. Ritengono infatti che fissando &#8222;soglie salariali obbligatorie cos\u00ec elevate sar\u00e0 di fatto preclusa ogni e qualsiasi possibilit\u00e0 per i datori di lavoro di poter procedere ad una difesa efficace dei propri interessi, visto che la controparte sindacale non si trover\u00e0 pi\u00f9 nelle condizioni di poter dare la propria adesione ad alcuna retribuzione inferiore stabilit\u00e0 dalla nuova legge&#8220;.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><b>13.1.<\/b>\u00a0L&#8216;<span class=\"artref\">art. 28 Cost.<\/span>, che garantisce la libert\u00e0 sindacale, prevede che i lavoratori, i datori di lavoro nonch\u00e9 le loro organizzazioni hanno il diritto di unirsi e di costituire associazioni a tutela dei loro interessi, nonch\u00e9 il diritto di aderirvi o no (cpv. 1). \u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Secondo giurisprudenza, occorre distinguere tra la libert\u00e0 sindacale\u00a0individualee la libert\u00e0 sindacale\u00a0collettiva. La libert\u00e0 sindacale\u00a0individuale\u00a0riconosce ai singoli il diritto di contribuire alla creazione di un sindacato, di aderire a un sindacato esistente o di partecipare alla sua attivit\u00e0 (libert\u00e0 sindacale positiva), cos\u00ec come quello di non aderirvi o di non farvi pi\u00f9 parte (libert\u00e0 sindacale negativa), senza doversi confrontare con ostacoli posti dallo Stato. La libert\u00e0 sindacale\u00a0collettiva\u00a0garantisce al sindacato la possibilit\u00e0 di esistere e di agire come tale, difendendo gli interessi dei suoi membri; essa implica in particolare il diritto di partecipare a delle negoziazioni collettive e di concludere dei contratti collettivi di lavoro (<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-I-403%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page403\">DTF 143 I 403<\/a>\u00a0consid. 6.1 e 140 I 257 consid. 5; PATRICIA M. SCHIESS R\u00dcTIMANN, in BSK Bundesverfassung, op. cit., n. 9 segg. ad\u00a0<span class=\"artref\">art. 28 Cost.<\/span>; KLAUS A. VALLENDER\/PETER HETTICH, in Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, op. cit., n. 13 segg. [riguardo alla dimensione individuale] e 19 segg. [riguardo alla dimensione collettiva] ad\u00a0<span class=\"artref\">art. 28 Cost.<\/span>). \u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><b>13.2.<\/b>\u00a0Anche in relazione all&#8216;<span class=\"artref\">art. 28 Cost.<\/span> &#8211; che tutela la libert\u00e0 sindacale e, in questo contesto, la libert\u00e0 di concludere delle convenzioni collettive di lavoro &#8211; in ricorso \u00e8 tuttavia votato all&#8217;insuccesso. In effetti, il discorso svolto dalle insorgenti \u00e8 di nuovo solo ipotetico. Nelle poche righe che dedicano alla loro critica, esse non sostanziano inoltre nessuna lesione dell&#8216;<span class=\"artref\">art. 36 Cost.<\/span>, relativo alle condizioni in cui pure un&#8217;eventuale limitazione dell&#8216;<span class=\"artref\">art. 28 Cost.<\/span>\u00a0va tollerata (<span class=\"artref\">art. 106 cpv. 2 LTF<\/span>;\u00a0<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-I-306%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page306\">DTF 144 I 306<\/a>\u00a0consid. 4.4.1 e 144 I 50 consid. 6; GIOVANNI BIAGGINI, Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Kommentar, 2a ed. 2017, n. 10 ad art. 28).\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Weitere Beitr\u00e4ge zum Lohn (Auswahl):<\/h4>\n<ul>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/11\/16\/lohn-fuer-die-umkleidezeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lohn f\u00fcr die Umkleidezeit<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/09\/10\/lohnfortzahlungspflicht-bei-verschnupften-kindern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lohnfortzahlungspflicht bei \u00abverschnupften\u00bb Kindern<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/05\/21\/verrechnung-von-lohnforderungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verrechnung von Lohnforderungen<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/04\/29\/der-der-arbeitnehmer-ueber-den-lohn-sprechen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Darf der Arbeitnehmer \u00fcber den Lohn sprechen?<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/04\/11\/lohngleichheitsanalyse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lohngleichheitsanalyse<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/03\/19\/bonus-als-lohnbestandteil-qualifiziert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bonus als Lohnbestandteil qualifiziert<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/08\/20\/die-lohnhoehe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Lohnh\u00f6he<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/04\/02\/euroloehne\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eurol\u00f6hne<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2019\/03\/05\/lohnrechner-fuer-entsendefirmen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lohnrechner f\u00fcr Entsendefirmen<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/09\/19\/streitwert-der-lohnklage\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Streitwert der Lohnklage<\/a><\/li>\n<li class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2020\/11\/26\/die-insolvenzentschaedigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anspruch auf die Insolvenzentsch\u00e4digung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2021\/06\/23\/neue-mindestlohnvorschriften-im-kanton-basel-stadt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mindestlohnvorschriften im Kanton Basel Stadt<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani \/\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/matteoritzinger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Matteo Ritzinger<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Weitere umfassende Informationen zum Arbeitsrecht finden sie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.exlibris.ch\/de\/buecher-buch\/deutschsprachige-buecher\/boris-etter\/arbeitsvertrag\/id\/9783727235108\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier<\/strong><\/a>.<\/h4>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung von Mindestl\u00f6hnen hatte der Kanton Tessin im Jahr 2015 seine Kantonsverfassung wie folgt ge\u00e4ndert: Art. 13 Abs. 3: Jede Person hat Anspruch auf einen Mindestlohn, der ihr ein w\u00fcrdiges Dasein sichert. Ist ein Mindestlohn nicht durch einen Gesamtarbeitsvertrag garantiert, der allgemeinverbindlich ist oder der einen obligatorischen Mindestlohn vorsieht, so wird [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1622,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3446","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3446"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3446\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3447,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3446\/revisions\/3447"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}