{"id":3829,"date":"2023-01-13T21:08:54","date_gmt":"2023-01-13T20:08:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=3829"},"modified":"2023-01-13T21:08:54","modified_gmt":"2023-01-13T20:08:54","slug":"corona-pandemie-testpflicht-fuer-ungeimpftes-gesundheitspersonal-im-kanton-tessin-zulaessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2023\/01\/13\/corona-pandemie-testpflicht-fuer-ungeimpftes-gesundheitspersonal-im-kanton-tessin-zulaessig\/","title":{"rendered":"Corona-Pandemie: Testpflicht f\u00fcr ungeimpftes Gesundheitspersonal im Kanton Tessin zul\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"<p>Im auf Italienisch ergangenen <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/12-12-2022-2C_886-2021&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Entscheid des Bundesgerichts 2C_886\/2021\u00a0vom 12. Dezember 2022<\/a> hatte sich dieses mit dem Beschluss des Tessiner Staatsrats zur Corona-Testpflicht f\u00fcr ungeimpftes Personal in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Corona-Tests f\u00fcr ungeimpftes Personal<\/h3>\n<p>Der Staatsrat des Kantons Tessin erliess am 8. September 2021 einen Beschluss zur Einf\u00fchrung einer Pflicht f\u00fcr regelm\u00e4ssige Corona-Tests f\u00fcr ungeimpftes Personal in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen des Kantons (seit 1. April 2022 nicht mehr in Kraft). Von der Verpflichtung waren Mitarbeitende erfasst, die \u00fcber kein g\u00fcltiges Covid-Zertifikat verf\u00fcgten und die in direktem Kontakt standen zu Patienten in Krankenh\u00e4usern, Kliniken, Alters- und Pflegeheimen, Behindertenheimen, h\u00e4uslichen Pflege- und Betreuungsdiensten, therapeutischen und sozialen Tageszentren f\u00fcr \u00e4ltere Menschen und Behinderte sowie in Wohneinrichtungen f\u00fcr Drogenabh\u00e4ngige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Rechtsauffassungen k\u00f6nnen \u00e4ndern<\/h3>\n<p>Das Bundesgericht hielt fest, dass f\u00fcr die Beurteilung der Rechtfertigung einer Ungleichbehandlung ist zum einen die Legitimit\u00e4t des mit der fraglichen Regelung verfolgten Ziels und zum anderen die Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit der Massnahme entscheidend sei. Dabei ist zu beachten, dass bei der Beurteilung des konkreten Sachverhalts die verfassungsrechtlich anerkannten Ziele und Grunds\u00e4tze sowie die zum jeweiligen Zeitpunkt herrschenden Rechtsauffassungen zu ber\u00fccksichtigen sind, die sich jedoch im Laufe der Zeit \u00e4ndern k\u00f6nnen, was insbesondere bei der Beurteilung der Zul\u00e4ssigkeit der von den Beh\u00f6rden durchgef\u00fchrten Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie von Bedeutung sei, wo man sich auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse st\u00fctzen m\u00fcsse:<\/p>\n<p><em>4.3.\u00a0Nella valutazione della giustificazione di una disparit\u00e0 di trattamento, decisiva \u00e8 da un lato la legittimit\u00e0 dello scopo perseguito dalla regolamentazione in esame e, d&#8217;altro lato, la proporzionalit\u00e0 della misura (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-I-78%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page78\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DTF 141 I 78<\/a>\u00a0consid. 9.5;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">136 I 1<\/a>\u00a0consid. 4.3.2;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-120%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page120\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">136 II 120<\/a>\u00a0consid. 3.3.2 e rispettivi rinvii giurisprudenziali e dottrinali; SCHWEIZER RAINER\/ BIGLER-EGGENBERGER MARGRITH\/K\u00c4GI-DIENER REGULA, in: St. Galler Kommentar der Bundesverfassung gi\u00e0 citato, n. 21 all&#8217;art. 8; MARTENET, op. cit., n. 41 segg. all&#8217;art. 8). In questo contesto \u00e8 importante rilevare che nella valutazione normativa delle circostanze concrete, si deve tener conto degli obiettivi e dei principi riconosciuti costituzionalmente, nonch\u00e9 delle opinioni giuridiche prevalenti al momento in questione, che tuttavia possono cambiare nel corso del tempo (SCHWEIZER\/BIGLER-EGGENBERGER\/K\u00c4GI-DIENER, op. cit., n. 19 all&#8217;art. 8), ci\u00f2 che \u00e8 particolarmente pertinente nel caso della valutazione dell&#8217;ammissibilit\u00e0 delle misure attuate dalle autorit\u00e0 per contrastare la diffusione della pandemia da covid-19, dove occorre basarsi sullo stato attuale delle conoscenze scientifiche in continua evoluzione (<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-I-450%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page450\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DTF 147 I 450<\/a>\u00a0consid. 3.2.4, I 393 consid. 5.3.1).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Beurteilung der Testpflicht<\/h3>\n<p>Das Bundesgericht hielt fest, dass die Testpflicht f\u00fcr Gesundheitspersonal ohne Covid-Zertifikat eine Ungleichbehandlung gegen\u00fcber geimpftem beziehungsweise genesenem Personal bedeute und stelle einen wesentlichen Eingriff in die pers\u00f6nliche Freiheit und das Recht auf Achtung des Privatlebens der Betroffenen dar; diese Grundrechtseingriffe lassen sich indessen gem\u00e4ss Bundesgericht rechtfertigen. Zun\u00e4chst k\u00f6nne sich die Massnahme auf eine ausreichende gesetzliche Grundlage st\u00fctzen, die ausdr\u00fccklich auch strengere Massnahmen zulassen w\u00fcrde. F\u00fcr die unterschiedliche Behandlung bestehe mit dem Schutz der \u00f6ffentlichen Gesundheit \u2013 insbesondere dem Schutz der besonders verletzlichen Personen in den betroffenen Einrichtungen \u2013 ein \u00f6ffentliches Interesse. Das Bundesgericht habe bereits fr\u00fcher festgehalten, dass die Beh\u00f6rden bei der Anordnung von Massnahmen in gesundheitlichen Krisensituationen \u00fcber einen relativ bedeutenden Beurteilungsspielraum verf\u00fcgten, zumal sie auf Grundlage des aktuellen Wissensstandes entscheiden m\u00fcssen, der oftmals unvollst\u00e4ndig und begrenzt sei. Entsprechend sei eine r\u00fcckwirkende Beurteilung schwierig. Der Tessiner Staatsrat hab beim Erlass des Beschlusses ber\u00fccksichtigt, dass gem\u00e4ss damaligem Wissensstand zwar auch geimpfte Personen das Virus \u00fcbertragen k\u00f6nnen, von ihnen aber ein geringeres Ansteckungsrisiko ausgehe. Wie das Bundesgericht in diesem Zusammenhang ebenfalls bereits festgehalten habe, sei von Seiten der Beh\u00f6rden mit Blick auf die Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit einer Massnahme ein &#8222;akzeptables&#8220; Risiko anzustreben und nicht ein &#8222;Nullrisiko&#8220;. Der Beschluss erweise sich auch als geeignet und erforderlich. Mit der Massnahme konnte die Einf\u00fchrung allgemeiner Pflichten vermieden und stattdessen ein differenziertes Vorgehen gew\u00e4hlt werden. Die L\u00f6sung habe es zudem erlaubt, der Solidarit\u00e4t der Geimpften mit den von ihnen betreuten, besonders verletzlichen Personen Rechnung zu tragen, w\u00e4hrend gleichzeitig eine Alternative f\u00fcr das Personal bestanden habe, das \u00fcber kein Covid-Zertifikat verf\u00fcgte. Die Betroffenen seien schliesslich auch nicht am Zugang zu ihrem Arbeitsplatz gehindert worden, sondern einer zus\u00e4tzlichen Pflicht unterstellt, die insgesamt nicht allzu stark eingreifend und im \u00dcbrigen kostenlos gewesen sei. Auch in zeitlicher Hinsicht sei der Beschluss verh\u00e4ltnism\u00e4ssig gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Weitere umfassende Informationen zum Arbeitsrecht finden sie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.exlibris.ch\/de\/buecher-buch\/deutschsprachige-buecher\/boris-etter\/arbeitsvertrag\/id\/9783727235108\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier<\/strong><\/a>.<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Umfassende Informationen zum Gleichstellungsrecht finden sie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.exlibris.ch\/de\/buecher-buch\/deutschsprachige-buecher\/gleichstellungsgesetz-glg\/id\/9783727222047\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier<\/strong><\/a>.<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im auf Italienisch ergangenen Entscheid des Bundesgerichts 2C_886\/2021\u00a0vom 12. 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