{"id":902,"date":"2018-10-25T09:41:35","date_gmt":"2018-10-25T07:41:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/?p=902"},"modified":"2018-10-30T09:14:21","modified_gmt":"2018-10-30T08:14:21","slug":"occassionsbrenner-treuepflichtverletzung-fristlose-entlassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/10\/25\/occassionsbrenner-treuepflichtverletzung-fristlose-entlassung\/","title":{"rendered":"Occassionsbrenner &#8211; Treuepflichtverletzung &#8211; fristlose Entlassung"},"content":{"rendered":"<p>Erneut hatte sich das Bundesgericht mit einem Fall der <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/10\/12\/fristlose-entlassung-entscheide-aus-2016-2017\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fristlosen K\u00fcndigung<\/a> auseinanderzusetzen. Dem Entscheid des Bundesgerichts\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2Faza:\/\/02-10-2018-4A_168-2018&amp;lang=de&amp;zoom=&amp;type=show_document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4A_168\/2018 vom 2. Oktober 2018<\/a> lag folgender Sachverhalt zu Grunde:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Zu beurteilender Sachverhalt<\/h4>\n<p>Der Arbeitnehmer war als Servicetechniker besch\u00e4ftigt. Nachdem der Arbeitnehmer mit E-Mail der Arbeitgeberin vom 4. M\u00e4rz 2015 aufgefordert wurde, sich in verschiedenen Punkten zu verbessern, und ihm mit Schreiben der Arbeitgeberin vom 18. Juni 2015 mit dem Betreff &#8222;Verwarnung und Beobachtungsperiode&#8220; verschiedene Ziele f\u00fcr eine &#8222;langfristige und erfolgreiche Weiterbesch\u00e4ftigung&#8220; definiert wurden, k\u00fcndigte der Arbeitnehmer am 18. Dezember 2015 das Arbeitsverh\u00e4ltnis ordentlich per 31. M\u00e4rz 2016. Demgegen\u00fcber <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/02\/15\/die-beendigung-des-arbeitsverhaeltnisses\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcndigte<\/a> die Arbeitnehmerin am 11. Januar 2016 das Arbeitsverh\u00e4ltnis &#8222;unter Einhaltung der siebent\u00e4tigen K\u00fcndigungsfrist fristlos per 19. Januar 2016&#8220;, nachdem sich ein Kunde \u00fcber den Einsatz des Arbeitnehmers vom 5. Januar 2016 beschwert hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Zus\u00e4tzliches negatives Verhalten des Arbeitnehmers<\/h4>\n<div class=\"para\">\n<p>Die Arbeitnehmer wurden durch ihren Vorgesetzten aufgefordert , ihn \u00fcber vorhandene, im Eigentum der Arbeitgeberin stehende Occassionsbrenner zur Erstellung einer Inventarliste zu informieren. Der Kl\u00e4ger hatte dann gegen\u00fcber mehreren Arbeitskollegen ge\u00e4ussert, er zahle ihnen Fr. 100.&#8211;, wenn sie die ausgebauten Brenner nicht der Arbeitgeberin zur Verf\u00fcgung stellten, sondern ihm \u00fcberliessen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Entscheid des Bundesgerichts<\/h4>\n<\/div>\n<div>Das Bundesgericht sch\u00fctzte die fristlose Entlassung.<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Erw\u00e4gungen des Bundesgerichts<\/h4>\n<\/div>\n<div>Nach\u00a0<span class=\"artref\">Art. 337 OR<\/span>\u00a0kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das Arbeitsverh\u00e4ltnis aus wichtigen Gr\u00fcnden jederzeit fristlos aufl\u00f6sen (Abs. 1). Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem K\u00fcndigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). \u00dcber das Vorhandensein solcher Umst\u00e4nde entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Abs. 3).<\/div>\n<div>\n<div class=\"para\">Nach der Rechtsprechung zu\u00a0<span class=\"artref\">Art. 337 OR<\/span>\u00a0ist eine fristlose K\u00fcndigung durch den Arbeitgeber nur bei besonders schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese m\u00fcssen einerseits objektiv geeignet sein, die f\u00fcr das Arbeitsverh\u00e4ltnis wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerst\u00f6ren oder zumindest so tiefgreifend zu ersch\u00fcttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr zuzumuten ist und anderseits auch tats\u00e4chlich dazu gef\u00fchrt haben. Sind die Verfehlungen weniger schwerwiegend, m\u00fcssen sie trotz Verwarnung wiederholt vorgekommen sein.<\/div>\n<\/div>\n<h5><\/h5>\n<h5>Leitende Angestellte<\/h5>\n<ul>\n<li>Es ist sodann zwar zutreffend, dass f\u00fcr leitende Angestellte die Treuepflicht im erh\u00f6htem Masse gilt, weshalb eine Verletzung dieser Pflicht durch solche Angestellte schwerer wiegt (<a class=\"bgeref_id\" href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?lang=de&amp;type=show_document&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-III-28%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page28\">BGE 130 III 28<\/a>\u00a0E. 4.1 S. 31; <a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/de\/php\/aza\/http\/index.php?highlight_docid=aza%3A%2F%2F23-01-2018-4A_349-2017&amp;lang=de&amp;type=show_document&amp;zoom=YES&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urteil 4A_349\/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.2<\/a>). Das beschriebene Verhalten des Beschwerdef\u00fchrers stellt aber auch f\u00fcr einen &#8222;gew\u00f6hnlichen&#8220; Serviceangestellten ein inakzeptables Verhalten dar mit dem er die Treuepflicht in schwerwiegender Weise verletzte. Auch daraus l\u00e4sst sich nichts zu Gunsten des Beschwerdef\u00fchrers ableiten.<\/li>\n<\/ul>\n<div><\/div>\n<h5>Verletzung der Treuepflicht<\/h5>\n<ul>\n<li class=\"para\">Indem der Beschwerdef\u00fchrer mehreren seiner Arbeitskollegen ein konkretes Angebot von Fr. 100.&#8211; machte, die im Eigentum der Beschwerdegegnerin stehenden Brenner zu erwerben, verleitete er diese, eine Straftat gegen\u00fcber der gemeinsamen Arbeitgeberin zu begehen. Dadurch verletzte der Beschwerdef\u00fchrer die gegen\u00fcber der Beschwerdegegnerin bestehende <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/2018\/05\/01\/nebenbeschaeftigungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Treuepflicht nach\u00a0<\/a><span class=\"artref\">Art. 321a Abs. 1 OR<\/span>\u00a0schwer, unabh\u00e4ngig davon, wie sein Verhalten strafrechtlich zu qualifizieren ist und ob ein allf\u00e4lliges Delikt der Arbeitskollegen nur auf Strafantrag hin verfolgt w\u00fcrde. Dadurch wurde die Grundlage f\u00fcr das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeberin in schwerwiegender Weise gest\u00f6rt und die Fortsetzung des Arbeitsvertrags war der Beschwerdegegnerin danach nicht mehr zuzumuten.<\/li>\n<\/ul>\n<div><\/div>\n<h5>Verbleibende Vertragsdauer<\/h5>\n<ul>\n<li>Je k\u00fcrzer die noch verbleibende Vertragsdauer ist, desto eher ist der Arbeitgeberin die Fortsetzung bis zum ordentlichen Ende des Arbeitsverh\u00e4ltnisses zuzumuten, und umso gewichtiger muss demnach der angef\u00fchrte Grund sein, um zur fristlosen K\u00fcndigung zu berechtigen (dazu oben Erw\u00e4gung 4.2; vgl. auch: <a href=\"http:\/\/www.polyreg.ch\/bgeunpub\/Jahr_2004\/Entscheide_4C_2004\/4C.265__2004.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urteile 4C.265\/2004 vom 1. Oktober 2004 E. 3.2<\/a>; 4C.210\/1996 vom 18. Dezember 1996 E. 5). Aber auch damit ist dem Beschwerdef\u00fchrer kein Erfolg beschieden: Sein Verhalten, mehrere Arbeitskollegen zu einer Straftat gegen die gemeinsame Arbeitgeberin zu verleiten, weist eine derartige Schwere auf, dass es der Beschwerdegegnerin Anfangs Januar unter den vorliegenden Umst\u00e4nden des konkreten Einzelfalls nicht mehr zuzumuten war, das Arbeitsverh\u00e4ltnis bis zum Ende der bereits angebrochenen ordentlichen K\u00fcndigungsfrist, mithin f\u00fcr rund drei Monate, fortzusetzen.<\/li>\n<\/ul>\n<div><\/div>\n<div>Autor: <a href=\"https:\/\/www.arbeitsrecht-aktuell.ch\/de\/person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Facincani<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erneut hatte sich das Bundesgericht mit einem Fall der fristlosen K\u00fcndigung auseinanderzusetzen. Dem Entscheid des Bundesgerichts\u00a04A_168\/2018 vom 2. 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